Tourbericht

09.06.14          Montag

Auf welcher Route oder welchen Zwischenstopps auch immer – die Rotarischen Baltikum Vagabunden (12 Fahrzeuge) treffen sich pünktlich zum Check-in am Ostuferhafen in Kiel. Schon routinemäßig befahren sie das Schiff, nehmen Quartier und erfreuen sich der Sonnenwärme auf dem Achterdeck. Alte Erinnerungen an Baltikum I werden wach bzw. ausgetauscht. Pünktlich treffen sich die Freunde zum 1. Thing, das von Norbert in bewährter Weise einberufen und abgehalten wird. Er gibt erste Informationen und Spielregeln raus, die uns unmissverständlich klar machen sollen, dass wir zwar Individualisten sein dürfen, jedoch das innerhalb einer strukturierten Gruppe. Sowohl der Protokollschreiber für die lange und die kurze Version wird schnell freiwillig bestimmt. Norbert verteilt die Zettel mit der Reihenfolge der Kolonnenfahrten. Diese hat er wohl überlegt gewählt. Nach dem Abendessen bereitet sich jeder bei einem grandiosen Sonnenuntergang auf die Nacht und die vor uns liegende Rundreise vor.

 

10.06.14          Dienstag        TT: 98 km

30 Minuten vor der Zeit erreichen wir bei bestem Wetter und bester Stimmung Klaipeda und machen uns zunächst ohne Matthias und Anna auf zu unserem ersten Campingplatz. (Camping Gailia, 9km südlich von Liepaja) Uns erwartet ein idyllischer Waldplatz, 300m vom Meer entfernt. Jeder beschäftigt sich mit dem, was er braucht (Ruhe – Kaffeetrinken – Schwimmen - Spazierengehen mit und ohne Hund). Inzwischen eingetroffen, laden uns Matthias & Anna zum Begrüßungsumtrunk und gemeinsamen Abendessen ein. Wir bekommen offiziellen Besuch aus Liepaja. Es sind die Präsidentin und zwei weitere Freunde des RC Liepaja. Begleitet werden sie vom Dekan  der  dortigen  Dreifaltigkeitskirche  sowie  zwei  weiteren  Mitarbeiterinnen.    Es

 

entwickeln sich Gespräche, deren Inhalt später noch von Bedeutung sein wird. Bei herrlichem Wetter klingt der Tag zwischen der WoMo-Burg aus.

 

11.06.14          Mittwoch        TT: 185 KM

Aufbruch um 10.00 Uhr. Bevor es nun nach Norden geht, fahren wir in den Ort Liepaja (ca. 80.000 Einwohner). Wir werden ihn gegen Ende der Reise noch einmal aufsuchen. Liepaja (Libau): „Die Stadt, wo der Wind geboren wurde“ bezieht sich auf die Lage der Stadt an der offenen Ostsee. Sie war früher russische Garnisonsstadt, bestand zu Sowjetzeiten zu 1/3 aus einer Marinebasis und wurde so wegen ihrer militärischen Bedeutung zu einer „geschlossenen Stadt“. Der russische Stadtteil heißt Karosta und wurde als Festung zwischen 1899 und 1909 von Zar Nikolaus II erbaut. Wir besichtigen die militärische Arrestanstalt, die als Krankenhaus geplant, aber dann immer als Arrestanstalt genutzt wurde. Der  „Genosse Major“ zeigt uns auf eine ihm eigene Art  die Räumlichkeiten und deren damalige Funktionen. > Wenn es nicht so lustig gewesen wäre…?< Die Anstalt, die „nur“ zur Disziplinierung gedacht war, hinterlässt bei allen ein mulmiges und deprimierendes Gefühl. Auf der Weiterfahrt entlang der Ostseeküste ist dieses Erlebnis bei einigen sicherlich diskutiertes Thema. Bevor es nun wirklich weiter geht erleben wir noch ein Kontrastprogramm: Die Besichtigung der russisch-orthodoxen Kirche im gleichen Stadtteil. Beim nächsten Stopp in dem Fischerort „Pavilosta“ (leider bei tiefhängendem Küstennebel) werden schon nach zwei Tagen die ersten Tank- und Kühlschrankengpässe offensichtlich. An Ventspils vorbei erreichen wir nach 18 Km unser idyllisches Nachtquartier: Camping MIKELBAKA. Bei Sonne, Wärme und Lagerfeuer geht der Tag zu Ende.

 

12.06.14          Donnerstag        TT: 172 KM

Abfahrt um 9.30 Uhr. In der Nacht hat es anhaltend geregnet – zur Abfahrt lichtet sich der Himmel. Die erste Etappe geht entlang der Ostseeküste zum Nationalpark Kap Kolka. Vor dem Kap prallen die Strömungen der Baltischen See (des offenen Meeres) und der Rigaer Bucht aufeinander. Da es absolut windstill ist, können wir dieses Naturschauspiel leider/Gott sei Dank nicht erleben. Kap Kolka war im 2. Weltkrieg bis auf den „letzten Blutstropfen“ hart umkämpft, da man damit die Irbenstrasse kontrollieren konnte. So blieb diese Fläche bis 1993 streng abgeschirmtes  Militärgebiet. Weiter geht die Fahrt zu den Dünen von Purciems. Am Strand erklärt uns Norbert die typische Formation der hiesigen Ostseeküste. Auf  der Weiterfahrt durch endlose Waldlandschaft gibt es einen immer wieder gern genommenen Einkaufstopp, der anschließend eine Mittagspause notwendig macht. Bei wieder strahlendem Sonnenschein geht es weiter. An der Straße wird eine mobile   Fischbude

„überfallen“, wo zu sensationellen Preisen geräucherter Fisch angeboten wird. Ein kleiner Aussetzer lässt sich fast unauffällig durch ein Starterkabel beheben. Am späten Nachmittag erreichen wir bei gutem Wetter im 2. Anlauf unser Nachtquartier: Camping JÜRMALA. Vor der Nachtruhe ist jeder irgendwie individuell beschäftigt  und unterwegs.

 

13.06 14          Freitag     TT:  210 KM

Vor der Abfahrt um 9.30 Uhr gibt es noch ein paar Instruktionen. Dann geht es in Richtung Riga, dann Tallinn, direkt nach Norden. In Riga werden bei den Baltikum I - Fahrern so manche Erinnerungen wach. Nach einem kollektiven Tankstopp geht es zur weißen Düne (Balta kapa) von Saulkrasti. Es ist für alle offensichtlich, warum dieses Gebiet Kultur- und Naturdenkmal ist. Wir haben einen herrlichen Blick über die Rigaer Bucht. Der Pavillon hoch über dem Wasser ist ein Ort, an dem sich verliebte Menschen das Ja-Wort geben oder erneuern. In unserer Gruppe hat man dieses wohl sehr ruhig und heimlich praktiziert – gehört habe ich jedenfalls nichts. Nach ca. 1 Stunde machen wir kurz vor der Grenze nach Estland einen Erholungsstopp. Matthias und Anna haben uns eine leckere Gurkensuppe mit Hühnchenfleisch vorbereitet. In der Ruhepause geht man spazieren, schwimmen!!!, ruht sich aus oder schnäbbelt ein wenig. Gegen 14.40 Uhr geht es weiter entlang der Küste nach Pärnu. Nachtquartier: Camping KONSE MOTEL. Der Nachmittag und Abend sind zur freien Verfügung, z.B. für ein gern genommenes Bierchen von Norbert, anlässlich seines 70.Geburtstages am 27.04.2014. Beim Thing wird klar: Vor Abfahrt am nächsten Tag ist das volle Ver- und Entsorgungsprogramm angesagt. Wir müssen lange 2 Tage auskommen.

 

14.06.14          Samstag   TT:  74 KM

Schon früh am Morgen erkennt man hektische Betriebsamkeit beim Versorgen der Fahrzeuge. Es stehen ja entbehrungsreiche Tage an. Um 9.30 Uhr geht es zur Stadtführung in das hübsche Städtchen Pärnu, wo uns Norbert wieder mit profundem Wissen die Stadt, die Geschichte, die Architektur… näher bringt.

Um 14.00 Uhr, nach einem kräftigen Regenguss fahren wir, unterbrochen durch einen Einkaufsstopp in das Hafenstädtchen Virtsu, wo wir auf dem Hafengelände mit vollem Blick auf die bewegte See Quartier beziehen. Beim Thing erwartet uns eine Rigaer- Likör-Medizin von Benita. Es werden die entscheidenden Zeiten für den Folgetag genannt, verbunden mit dem Hinweis auf die Reisetabletten. Der Nachmittag und der Abend werden individuell genutzt.

 

15.06.14          Sonntag    TT = Busrundfahrt

8.40 Uhr sammeln der Gruppe. 9.05 Uhr Abfahrt der Fähre. Es kam anders als befürchtet: Das Wetter war vom lieben Gott für uns gemalt. Gut bepackt für einen Bus- Tagesausflug auf die Inseln Muhu und Saaremaa geht es auf die Fähre. Auf der Inselseite erwartet uns Thea aus Estland mit Ihrer Tochter. Es sollte ein langer sehenswürdigkeitsbeladener Tag werden. In perfektem Deutsch eröffnet Thea (sie  hat

u.a. In Freiburg studiert) die Rundfahrt mit dem estnischen Spruch: „Alle sorgen  bleiben auf dem Wasser“. Zunächst befahren wir die Vorinsel Muhu. Thea berichtet  von den traditionellen Sitten und Gebräuchen, führt uns an die Tore des Gutshofs Pädaste, aus dem 14. Jahrhundert, vorbei an alten, aufgegebenen Bauernhöfen, die schon lange keinen Fisch mehr fangen und verarbeiten. Stattdessen betreiben sie z.Z. Emu-, Fisch- und Straußenzucht. In Diiva besuchen wir eine landestypische Handwerksverkaufswerkstatt, in der die Geldbörsen wiederholt erleichtert werden. Nebenan gibt es ausgesprochen leckeres Brot zu kaufen. Wir besichtigen die älteste Kirche (13. Jahrhundert) im Land, die Katarin Kirk. Weiter geht es zu dem alten Fischerdorf Koguva, das bekannt ist durch den Schriftsteller Juhan Smuus (1922.1971). Hier machen wir einen Rundgang durch die zahlreichen Dorfgebäude. Wieder im Bus, unternimmt Thea einen Exkurs zu Sprache und ihrer Herkunft und unterlegt sie mit netten Beispielen. Die Mittagspause halten wir im ersten und einzigen Weinbauernhof. Umfänglich beschreibt uns das junge Besitzerpaar die Idee, die Vergangenheit und die angestrebte Zukunft. Hier können wir Ihnen nur ganz viel Glück wünschen. Von der Qualität des Mittagsmenüs kann man nur äußerst positiv  überrascht sein. Über die Quantität des Essens und der alkoholischen Getränke gehen die Meinungen der Mitreisenden etwas auseinander. Wir verlassen Muhu und fahren über einen Damm nach Saaremaa. In Angla besichtigen wir ein Windmühlenmuseum, in dem noch 5 von ursprünglich 14 Inselmühlen aufgebaut sind. Auch hier untermalt Thea das Thema mit Mühlengeschichten und den notwendigen, geeigneten Mühlsteinen. Interessante Gespräche über Politik, Schulwesen, Situation der Russen und Esten, Abwanderung der Jugend, EU-Beitritt und Folgen, u.v.m.  Der  nächste Stopp ist Parga Pank (Cliff), die beeindruckende Steilküste. Hier kredenzt uns Eva Ihren Geburtstagssekt. Anschließend erreichen wir Kuressaare (Arensburg), die Hauptstadt des Landes. Bei der Fahrt durch die kleine und saubere Stadt, die bereits im Mittelalter erwähnt wird, sehen wir den Friedhof, das Rathaus, den Kurpark, die Kurgebäude und den Markt, der als einziger in Estland noch in der Stadt an traditioneller Stelle abgehalten wird. Am Verwaltungsgebäude vorbei geht es weiter zur Burg und ihrer großen Wallanlage. Aus Zeitgründen umlaufen wir diese nur, um zumindest eine Ahnung von der Größe zu bekommen. Nun geht es zurück Richtung Fähre. Es gibt noch einen hundefreundlichen Stopp am Kaali Kraater, einem großen Kratersee (d: 110m t: 16m) Die Herkunft war lange unklar, da man nicht wusste, ob der Ursprung durch Vulkanaktivitäten oder durch Meteoriteneinschlag entstanden ist. Ergebnis heute: Letzteres ist der Fall (ca. 500-900 v.Ch). Um 20.35 Uhr nehmen wir dann die Fähre ans Festland und verschwinden geschafft in unseren WoMos. Es war wirklich ein langer, harter aber wunderschöner und interessanter Tag, der mit einem herrlichen Sonnenuntergang zu Ende geht. Dank an alle Ausrichter.

 

16.06.14          Montag     TT:  188 KM

 

Das Wetter, das wir gestern nicht hatten, erreicht uns nun am frühen Morgen. Der Himmel ist schwarz, es regnet. Das hält aber niemanden davon ab, Renate herzlichst zum Geburtstag zu gratulieren. Pünktlich zur Ankunft von Thea, die uns die nächsten zwei Tage begleiten wird, wird es heller – die Sonne lugt durch die Wolken. Auf geht  die Fahrt nach Tallinn. Es geht nach Haapsalu, ehemalige Bischofsstadt. Der Hafen verlor im 17. Jahrhundert unter Peter I. an Bedeutung, da er versandete. Somit war auch die Stadt betroffen. Im 19. Jahrhundert erfuhr der Ort jedoch eine Wiederbelebung, als im Jahr 1825 Dr. Carl Abraham die heilende Wirkung des in der Umgebung gefundenen Schlamms entdeckte. Der angepriesene und sehr sehenswerte alte Bahnhof in Haapsalu ist leider wegen Filmaufnahmen nicht zu besichtigen.  Erbaut 1907, war er damals mit 216 m der längste überdachte Bahnsteig Nordeuropas. Die Zarenfamilie sollte nicht naß werden, wenn sie zur Kur nach Haapsalu kam. Heute ist  er z.T  Museum.  Somit fahren  wir weiter und  parken  verstreut um den     Schloß-

/Marktplatz herum. Wir besuchen die Ruine der mittelalterlichen Bischofsburg mit der Domkirche, der größten einschiffigen Kathedrale Nordeuropas. Am Fenster der Taufkapelle erscheint alljährlich in der ersten Vollmondnacht im August die „weiße Dame“ Auch hierzu weiß Thea eine passende Geschichte zu erzählen. Wir bummeln zur Strandpromenade und bewundern dort das schöne mit Holzschnitzereien  verzierte Kurhaus, erbaut 1898 – das einzige Kurhaus Estlands, das seine ursprüngliche Architektur beibehalten hat und noch immer als Sommerrestaurant und Konzertsaal genutzt wird. Viele von uns hätten den Ort gern noch ein wenig individuell entdeckt, aber wir sind ja eine Gruppe. Am frühen Nachmittag erreichen  wir Tallinn und stehen mit unseren Mobilen im Jachthafen mit Blick auf den finnischen Meerbusen. Bei strahlendem Sonnenschein, aber heftigem und kalten Wind vergnügt sich jeder auf seine Art und wartet auf die Fischeinladung durch Matthias & Anna um

18.30 Uhr. Zeitgleich spielt Deutschland gegen Portugal.

 

Dienstag        17.06.14  Busrundfahrt

Heute steht Tallinn unter Führung von Thea auf dem Programm. Wetter: kalt aber trocken. Um 9.15 Uhr startet der Bus zur Stadtrundfahrt. Diese führt uns vorbei an den für die Olympischen Spiele erbauten Sportstätten, am alten Friedhof, dem Fernsehturm, der, gerade wieder eröffnet, im Freiheitskampf der Esten eine große Rolle gespielt hat. Wir sehen einige Neubausiedlungen, erkennen aber auch, dass Tallinn eine grüne Stadt mit Wäldern voller Pilze und Beeren ist, die immer noch gern auch eingekocht werden. Wir durchfahren das Viertel, wo die Botschafter wohnen. Im Kontrast dazu sehen wir die alten Plattenbaugebiete der Russen, die in den 60er Jahren meist 5-geschossig errichtet wurden. Durch Renovierungsmaßnahmen werden sie auch nicht wirklich besser und schöner. Wir erreichen die Sängerwiese, die ab Mitte Juli wieder Zentrum großer Feste sein wird. Thea beschreibt uns die Geschichte dieser Feste damals und heute und macht uns klar, dass die Esten ihre Freiheit im wahrsten Sinne des Wortes ersungen haben. Viele Geschichten ranken sich um den Freiheitskampf. Es stellt sich eine aktuelle Frage der Esten: Ist das Estland heute das, was sie sich gewünscht haben? Vorbei geht es am Denkmal „Rusalka“ (Todesengel), der chinesischen Botschaft, hin zum KatharinentalZar Peter I. hat den Bau des wunderschönen, barockes Schlosses mit Park und Lustpavillon für seine Familie erbauen lassen. Hier steigen wir kurz aus. Wir streifen bei der Weiterfahrt die Kirche der Methodisten, die 2. Universität, die türkische Botschaft, das Hotel VIRU, das in den 60er Jahren von Finnen erbaut wurde. Richtung Altstadt kommen wir am Jachtund Passagierhafen, genauso wie an der Stadtmauer, der Dicken Margareta, dem Platz der Türme und dem Baltischen Bahnhof vorbei. Dann verlassen wir den Bus und erkunden die Stadt mit Thea zu Fuß. Wir sind am Domberg (früher Adels-, heute Regierungsviertel). In der Vorstadt gibt es viele Holzbauten, in der Altstadt wurde nur in Stein gebaut. Wir passieren die Karlskirche mit ihrer Doppelturmfassade. Wie in allen estischen Staaten gibt es auch in Tallinn ein OkkupationsmuseumWir sehen die Parlamentsgebäude, die Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren 5 Zwiebeltürmen (Hauptkirche der Orthodoxen). Ein Rückblick läst uns die Domschule sehen. Die spätgotische Domkirche mit Grabsteinen und vielen Wappenschilden alter baltendeutscher Adliger, die der Jungfrau Maria geweiht ist, ist eine der ältesten Gotteshäuser des Landes. Wir streifen die Nicolaikirche, in der das Grab von Debussy  zu  finden  ist.  Auf  dem  Rathaus  (1401  –  1404)  passt  Thomas  als

 

Wahrzeichen auf die Stadt auf. Es ist eines der wenigen Rathäuser aus seiner Zeit im Originalzustand. Wir kommen an der ältesten noch heute dem Verkauf dienenden Apotheke Europas vorbei und betreten ein Kaufmannshaus mit alt erhaltener Einrichtung/Einteilung. Wir sehen den Kalksteinboden, den Mantelschornstein, unter dem die Küche lag, die bunt angemalte Holzdecke. Die Kellerräume, in denen die Salzvorräte gelagert wurden, sehen wir leider nicht. Man sagt: Tallinn ist auf Salz gebaut. Kurz darauf verabschieden wir uns von Thea, die uns mit großem Sachwissen sehr viel vermittelt hat. Nun ist jeder auf sich gestellt und kann sein Programm bis

17.00 Uhr selbst gestalten. Einige werden das bereits Gesehene noch einmal vertiefen, andere werden neu auf Entdeckungsreise gehen – alle werden sich mit Sicherheit irgendwo gestärkt haben. Ein Stadtbus bringt die letzten Stadtgänger zurück zum Jachthafen. Das Thing versorgt uns mit den nächsten Informationen und entlässt jeden in seine Selbständigkeit. Nachdem es über Tag mächtig kalt (4 Grad, bei Graupelschauern) und windig war, meint der Abend es wieder sehr gut mit uns.

 

Mittwoch        18.06.14   TT:   89 KM

Bei leichtem Regen und heftigem Wind zieht die Karawane um 9.30 Uhr weiter. Wir erfreuen uns zum Abschied noch einmal an der  Silhouette, einschließlich                                       vier Kreuzfahrtschiffen, von Tallinn. Nun geht es ostwärts. Nach ca. 35 KM erreichen wir den Wasserfall Jägala Juga, bewundern, wie das braune, eisenhaltige Wasser in dem sonst so flachen Land überhaupt einen solchen Höhenunterschied überwinden muß. Der nächste Stopp ist das Herrenhaus/ der Gutshof Palmse, einer in seiner Gesamtheit best erhaltensten Gutshöfe des Landes. Es ist ehemals Besitz der Familie von der Pahlen und liegt mit seinen Nebengebäuden in einer schönen und gepflegten Parklandschaft. In der Zwischenzeit haben Matthias & Anna eine frisch und selbst gebackene Burger-Mahlzeit vorbereitet. Nach kurzer Ruhepause fahren wir unser nächtliches Quartier an. Es ist der kleine Jachthafen von Vergi (VihulaSadama. Wir stehen zwar dicht gedrängt, aber alleine und direkt am Wasser und der Natur. Jeder ruckelt sich zurecht und wartet bei wechselndem Wetter (mehr Sonne als Regen) auf die von Matthias & Anna vorbereitete Abendmahlzeit: auf dem Grill gebratene Fleischspieße mit Tomatensalat. Bei Alkohol zur frühen Stunde entwickelt sich ein lustig-naives Spiel: Wer hat was dabei und kann an Dekoration seinen Mitfahrer toppen. Mit einem traumhaften Sonnenuntergang geht der Tag zu Ende.

 

Donnerstag   19.06.14

Heute ist Ruhetag ohne vorbereitetes Programm. Eigentlich sollte es ein unbeschwerter Tag für alle werden. Marie-Therese hat einen Fahrradunfall. Da sich die Vagabunden jetzt einen eigenen Arzt–Fellow leisten können, kann eine Erstversorgung die richtigen Weichen stellen.

 

Freitag            20.06.14   TT:  222 KM

In der Nacht regnet es heftig – bei der Abfahrt scheint aber wieder die Sonne. Das Ölschiefermuseum in Kukruse ist unser erster Programmpunkt. Die Ölgewinnung  aus Schiefer ist sei langem ein großer Wirtschaftsfaktor in Estland. Das Öl liefert nicht nur Energie um insbesondere unabhängig von den Russen zu sein, sondern erfährt einen vielseitigen Einsatz, der erheblich größer ist, als der des Erdöls. (Energie, Kosmetik, Lebensmittelindustrie, Technik,…) Eine große Menge wird in die ganze Welt exportiert. Der Abbau erfolg z.T. noch im Tagebau, stellt aber eine außerordentliche Umweltbelastung dar. Seit dem Beitritt zur EU laufen Bestrebungen den Abbau und die Verarbeitung umweltfreundlicher zu gestalten. Das Museum zeigt u.a. die Themen Bergbau und Geschichte mit vielen Exponaten und Gemälden, die die Arbeit und den Alltag vor Ort widerspiegeln. Weiter geht es nach Narwa. Dieser Ort liegt unmittelbar  an der russischen Grenze und ist der östlichste Punkt der EU. Die Hermannsfeste wurde von den damals herrschenden Dänen als kastellartige Festung angelegt und im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgebaut. Vom Turm „Langer Hermann“ hat man einen guten 360 Grad-Blick auf die Stadt und den Fluss Narwa, der die Grenze zu Russland bildet. Auf der anderen Uferseite liegen direkt die russische Burg und Stadt Ivangorod. Man kann sich gut vorstellen, dass hier Jahrhunderte lang viel Blut geflossen sein muss. Auf dem Weg nach Pühtitsa haben auch die Rotarischen Vagabunden  eine  sonderbare  Erscheinung:  Plötzlicher  Diesel-Kraftstoff-Verlust. Wir

 

parken auf dem Parkplatz unterhalb des Klosters beim Dorf Kuremäe und verbringen einen feucht-fröhlichen Abend bei sonnig warmem Resttag mit Schaschlik und Salat von Matthias & Anna. Man munkelt, dass es in einigen Wohnmobilen noch weiterging.

 

Samstag         21.06.14   TT:  120 KM

Um 9.00 Uhr steigen wir auf zum Kloster von Pühtitsa. Im 16. Jahrhundert soll einem Hirten auf dem Hügel Pühtitsa die Jungfrau Maria erschienen sein. Wenig  später fanden Bauern unter einer Eiche eine Ikone der Muttergottes, die noch heute zu den Schätzen des Klosters gehört. Das russisch-orthodoxe Frauenkloster war eines der wenigen in der ehemaligen Sowjetunion, das ohne Unterbrechung in Betrieb war. Es beherbergt heute 120 Nonnen aus verschiedenen Nationen (zwischen 24 und 87 Jahren alt), die das riesige Areal mit Kirche, Hotel und Landwirtschaft betreuen.  Bewegt von dem Gehörten fahren wir weiter nach Iisaku, wo wir freudig und erwartungsfroh begrüßt werden. Die Verantwortlichen für die Kleiderkammer sind überwältigt davon, dass aus 13 Wohnmobilen endlos Kleidersäcke geräumt werden. Nach einem gemütlichen Kaffeetrinken und Informationsaustausch mit den Vertreten der Kleiderkammer, des Altersheimes und des Bürgermeisters, machen wir einen Rundgang durch das Dorf. Wir besichtigen die kleine Kirche, sehen das Gemeindehaus, das Altenheim und das Heimatmuseum. Es ist schon toll, was diese Gemeinde, die nur 1200 Seelen zählt, alles auf die Beine stellt. Das 2. Gemeindienstprojekt der Vagabunden ist die Ausgestaltung der Gemeinschaftsküche des Altenheims. Hier haben wir 2.500,00 Euro gespendet, um u.a. den Fußboden und die Kücheneinrichtung, insbesondere den Herd, zu erneuern. Die engagierte Heimleiterin hatte vor Dankbarkeit Tränen in den Augen. So sieht direkte, unmittelbare und unbürokratische Hilfe vor Ort aus. Ebenso faszinierend war die Ausgestaltung des kleinen Museums. Auch hier sind ganz rege Mitstreiter am Werk. Beseelt, aber auch bedrückt ziehen wir weiter. Kurzes Fotoshooting in Mustvee am Peipus-See.  Nächstes Ziel ist Tartu, älteste Stadt Estlands, im Mittelalter Hansestadt, Universitätsstadt, 2. größte Stadt Estlands mit 100.000 Einwohnern, davon 20.000 Studenten. Bei der Stadtführung durch eine exzellent deutschsprechende Estin erfahren wir viel über ihre Heimatstadt. So z.B., dass in der Universität, vom Schwedenkönig Gustav Adolf II. 1625 begründet, bis Ende des 19.Jahrhunderts in deutscher Sprache gelehrt wurde. Es gibt viele Verbindungsstudenten, die wir  auch, wie selbstverständlich mit Band und Mütze, in der Stadt sehen. Wir streifen den Botanischen Garten, die Universitätsgebäude und die Johanniskirche (neben Domkirche und Resten der Stadtmauer ist die gotische Johanniskirche aus rotem Backstein das einzige Gebäude, das von einer Zeit zeugt, als Tartu eine reiche und bedeutende Hansestadt war). Die Kirche wurde im 2. Weltkrieg 1944 während der sowjetischen Offensive zerstört und mit Hilfe von Spenden, auch aus Deutschland renoviert. „Damit wurde dieser Krieg beendet“ – Engelsbrücke – Teufelsbrücke - Domberg, mit Ruine der Domkirche, in der gerade eine Hochzeit stattfindet – Sternwarte - altes Anatomikum – Pulverfasskeller - Marktplatz mit Rathaus - Brunnen der küssenden Studenten - schiefes Haus - Bogenbrücke über den Emajogi – Modell der früher hier stehenden Steinbrücke – Uferpromenade – alte Stadtmauer – Denkmäler von berühmten Menschen, die für die Stadt von großer Bedeutung waren und sind. Vor der Abfahrt besteht noch eine Einkaufsmöglichkeit, um die nächsten Stunden zu überleben. Zur Übernachtung fahren wir auf den Sommerhof (mit Auspuff) der Familie Mart Salumaa mit Sohn Paul. Hier werden wir sehr  freundlich mit selbstgebackenem Brot und einer kleinen Führung durch das alte Gehöft empfangen. Beim Quartiernehmen machen 2 Freunde Bekanntschaft mit dem recht weichen Wiesengrund. Mit Bergeseil, Sandblechen und hofeigenem Traktor wird das Problem rasch gelöst. Gut, in einer Gruppe zu fahren – werden doch in solchen Situationen schnell die dollsten Lösungsansätze laut. Man kann sich sicher fühlen. Der Abend endet mit selbstgebackenen Pfannkuchen am Feuer. Deutschland quält sich gegen Ghana zum 2 :2.

 

Sonntag         22.06.14  TT:   237 KM

Der Morgen bringt wieder sonniges Wetter. Der Hausherr und Schwarzschmied zeigt uns seine Schmiedekunst an einigen Beispielen. Etliche erworbene Souvenirs werden nach  Deutschland  mitgenommen.  Unser  nächstes  Ziel  ist  Valga  (estnisch),  Valka

 

(lettisch). Ein kurzer Bummel durch die Stadt zeigt uns sehr deutlich, wie wenig weit man kommen kann. Eigentlich könnte alles wunderschön sein, wenn nicht alles verfallen und unrenoviert wäre. Die Johanniskirche, der Kirchplatz und die eigentlich schönen Holzhäuser sind total zerfallen und „herrenlos??“. Die Grenze zwischen den beiden Staaten Estland und Lettland verläuft mitten durch die Stadt. Man hat das Gefühl, dieser Ort gehört nirgends so richtig hin. Bei strömendem Regen erreichen wir das Landgut Gaujiena, nachdem wir uns die holprige Straße richtig erkämpft haben (So sollte es auch weitergehen). Es handelt sich um ein altes Landgut, das 1818 Freiherr Adolf von Wulf erwarb und die Familie in den nächsten 100 Jahren  ausbaute. Auf diesem Gebiet von ca. 12 ha fügten sich ehemals 30 (heute 17) z.T. prächtige Gebäude in einer Parkanlage zusammen. Diese werden genutzt, könnten aber Handwerker gut vertragen. Am späten Nachmittag erreichen wir unser Nachtquartier: Campingplatz APALKALNS in Cesis. Zum Abend wird das Wetter besser, so dass die Männer sich an das Schälen der Kartoffen für die Reibekuchen machen können. Niemand verletzt sich und Matthias & Anna bereiten diese sehr geschmackvoll zu. Zu Beginn des Essens erkannte man panikartige Angst nicht satt zu werden. Aber selbst die „Zähesten“ winkten später dankend ab. So geht der Tag zu Ende.

 

Montag           23.06.14     Mittsommer

Wir bleiben am Ort und machen zunächst eine Rundfahrt durch den Gauja Nationalpark von Cesis bis zum Museumsreservat Turaida. Dieses gesamte Gebiet, in dem auch unser Campingplatz liegt, muss man als „Gesamtkunstwerk“ sehen. Mit dem Bus fahren wir zunächst Richtung Cesis, dann nach Süden. Hier machen wir noch einmal Bekanntschaft mit der Holperstrecke vom Vortag. Wir sehen eine Gebäudeansammlung, die älteste Art einer Wasserburg. Von allen Seiten begrüßt uns bei unterschiedlichem Wetter die reine Natur. Nationalparks waren immer schon beliebte Verstecke für militärische Einrichtungen und Anlagen. Das haben wir auch bei Baltikum I erlebt. In Sigulda sehen wir das Schloß und erfahren, dass dies die Stadt der Spazierstöcke ist. Wir besichtigen die kleine und dann die große, richtige  Bobbahn, übrigens von Leipzigern geplant. Lettland ist erfolgreich in einigen Wintersportarten. Nach der Überquerung der Gauja erreichen wir das Freilichtmuseum. Es ist eine sehr schöne und gepflegte Gesamtfläche, die mit zahlreichen Exponaten ausgestattet ist. Wir besichtigen z.B. die alte Burganlage und eine Holzkirche, in der eine deutsche Bibel aus dem 17. Jahrhundert ausgelegt ist. Die verschiedenen Häuser sind sehr interessant mit den unterschiedlichsten Themen bestückt. Auf dem Parkplatz erwerben einige Freundinnen traditionelle Blumenkränze. Auf der Fahrt zurück zum Campingplatz halten wir noch kurz an der Burg Lielstraupe, die heute als psychiatrische Einrichtung genutzt wird. Zurück auf dem Platz erkennen wir die Vorbereitungen für das Mittsommerfest. Es wird geräumt, gegessen, aufgebaut und gespielt. Das Trinken wird wohl später kommen. Mal warten, was der Abend noch so bringen wird.

 

Dienstag   24.06.14   TT:   273   KM Bei nieseligem, nass-kaltem Wetter (9 Grad) verlassen wir  unser Nachtquartier. Heute machen wir einen großen Schlag über Riga nach Westen. Nach 160 KM machen wir an dem 150 Jahre alten Jagdschloß Jaunmoku pils ausgiebig Rast. Die Weiterfahrt bei wechselndem Wetter führt uns teilweise wieder  über sehr holprige Naturpiste. Auch dieses Mal halten alle Schrauben. Pünktlich beim Eintreffen auf dem Campingplatz NABITE am Fluß Venta reißt der Himmel auf. Bei kühlem Wind und warmer Sonne genießen wir den zu Ende gehenden Tag. Ein Thing ruft noch einmal alle zusammen um die Aktivitäten des kommenden Tages zu erörtern. Danach ist jeder in seine eigene Beschaulichkeit entlassen und freut sich insbesondere über das besser werdende Wetter und die grandiose Aussicht auf den herrlichen Platz und den Fluß Venta.

 

Mittwoch        25.06.14    TT:   126  KM

Aufbruch ist erst um 10.00 Uhr. Was macht man mit der gewonnenen Zeit? Länger auf die Abfahrt warten? Wagen schon mal warm laufen lassen? Versäumtes nachholen? So, wie der Vortag aufhörte, so lacht uns der neue Tag an. Es sind zunächst nur wenige Kilometer bis Kuldiga. Eine der malerischsten Städte Lettlands mit seinen alten

 

Holzhäusern. Früher Hansestadt, auch das Venedig Lettlands genannt, da die Häuser in der Stadt zwischen Fluss und Bächen mit ihren Sockeln im Wasser stehen. Wir machen einen Bummel durch die malerischen alten Straßen mit vielen kleinen süßen Geschäften und Häusern. Da gibt es jedoch in den kommenden Jahren noch viel zu tun. Wir laufen vorbei an der Katharinenkirche, am alten Rathaus, dem höchsten Wasserfall Lettlands (hier stürzt das Alexflüßchen 4,5 m in die Tiefe) und am Museum, ein schönes Gebäude, welches ein Geschäftsmann aus Liepaja auf der  Weltausstellung 1900 in Paris den Russen abkaufte und in Kuldiga originalgetreu wieder aufbauen ließ, als Geschenk für seine Braut. Dann erreichen wir einen Aussichtspunkt, von welchem man einen prächtigen Blick hat auf die Backsteinbrücke auf der einen Seite und faszinierende Natur auf der anderen Seite. Hier fällt des Wasser des Flusses Venta von einer natürlichen Staustufe ca. 2 m in die Tiefe. Die Stufe ist 249 m breit und wird daher in Kuldiga als der breiteste Wasserfall Europas gepriesen. (=Ventas Rumba) Die 164 m lange Brücke wurde 1874 so breit gebaut, dass sogar 2 Kutschen aneinander vorbei fahren konnten, damals ein Zeichen von Wohlstand. Auch diese Stadt lockt viele von uns zum Kauf von Brot, Gebäck und aromatisch duftenden und wohlschmeckenden Erdbeeren, sowie Kunstgewerbe. Unterwegs gibt es noch einen unorganisierten Tank- und Einkaufsstopp, der erstmals die Gruppe völlig auseinander reißt. Am frühen Nachmittag erreichen wir unseren Campingplatz GAILI, auf dem wir auch die erste Nacht verbracht haben. Die strahlende Sonne lädt zum Draußensitzen ein, bevor Matthias und Anna zum Abschiedsessen rufen. Ja, die Rundreise geht wirklich zu Ende. Am nächsten Tag geht es schon auf die Fähre. Bei Fassbier von Marie-Therese und Dieter (das so genannte Ohr-Fass) werden Dankesworte und Geschenke ausgetauscht. Allen  Rednern (Jochen, Norbert, Dieter, Ingrid W., Bernd, Matthias & Anna) merkt man an, dass jeder auf seine Weise tief bewegt und gerührt von dem Erlebten der Reise ist. Hans-Viktor rundet den literarischen Vortrag mit Gedichten von Joachim Ringelnatz ab. Ein Akkordeonspieler begleitet die zahlreichen sich anschließenden Gespräche. Der  Abend klingt insgesamt sehr friedlich, versöhnlich und inhaltsgeladen aus. Um alles richtig zu erfassen, zu verstehen und zu verdauen, muss man sicherlich in den kommenden Tagen das Erlebte noch einmal auf sich wirken lassen. Es war schon massive und geballte Reisekost. Bei aufziehender Abendkälte verschwindet jeder irgendwann in seinem Nest und ist gespannt auf den letzten Tag, der die gesamte Reise noch einmal recht emotional abrunden wird.

Die Wortbeiträge von Ingrid und Dieter sind so persönlich und authentisch, dass sie nicht ins Protokoll einfließen sollten, sondern als separater Anhang wieder zu finden sind.

 

Donnerstag   26.06.14     TT:   127   KM

An diesem letzten Tag dürfen alle ausschlafen – die ersten versuchen dennoch, ob der Motor auch zum rechten Zeitpunkt anspringen würde. Alles wird für die Heimreise gerichtet. Um 12.15 Uhr geht es dann los. Wir steuern wieder Liepaja an, die Stadt, in der wir vor fast 3 Wochen schon einmal gewesen sind. Ein Rundgang führt uns über den Petermarkt mit seinen großen Freiflächen und Markthallen. Ein ungeheures Angebot hätte uns gern noch einige Zeit verweilen lassen. Doch die Zeit drängt. Raschen Fußes gehen wir nun zur Dreifaltigkeitskirche. Hier wird unser 3. Serviceprojekt platziert. Norbert hatte Inhalt und Ablauf beim ersten Treffen mit den Verantwortlichen abgestimmt. Zunächst erleben wir ein sehr eindruckvolles Orgelspiel, das die Organistin speziell für uns zusammengestellt hat. Es wurden mehrere Stücke für Orgel mit oder ohne Trompetenbegleitung ausgewählt und professionell vorgetragen. Dieter erhält von der Organistin die Möglichkeit auf einer ausgeliehenen Querflöte ebenfalls zu begleiten. Bei der Orgel werden im wahrsten Sinne des Wortes alle Register gezogen. Da es sich um eine mechanische Orgel handelt, bedeutet das Schwerstarbeit. Im Anschluss an das Orgelspiel treffen wir auf alle Verantwortlichen dieser Gemeinschaftsaktion (Iria Jacobsone, Präsidentin des örtlichen Rotary Clubs    -

P. Kalks, Dekan der Dreifaltigkeitskirche – K.Liepa, Vorsitzende des Fördervereins – Janis Kalnius, Verantwortlicher für die Orgelrestauration – nette und kompetente Übersetzerin). Wir erhalten durch den Dekan eine umfängliche Erklärung zur Kirche und Kirchengeschichte und erfahren, dass es nach wie vor eine deutsche Gemeinde in Liepaja   gibt,   die   regelmäßig   einen   deutschsprachigen   Gottesdienst   feiert.   Die

 

Präsidentin des Rotary Clubs Liepaja und Norbert Meik überreichen dem Dekan eine vorbereitete Schenkungsurkunde über 5.000,00 Euro, die aus unseren Vagabunden- Clubs, oder aber privat zusammengetragen wurden. der ansässige Club rundet die Summe ab. All dieses macht einen starken Eindruck auf alle Beteiligte, die wieder einmal spüren und erleben können, was Rotary bewegen kann. Im Anschluss stellt uns die Vorsitzende der Stiftung für Wiederherstellung der Kirche und Orgel ihr ambitioniertes Renovierungskonzept vor. Der zuständige Orgelbauer, Herr Janis Kalnius, beschreibt die grundsätzliche Funktion einer mechanischen Orgel und erklärt die erfolgten und geplanten Restaurierungsarbeiten. Es ist beeindruckend zu sehen, was man erreichen kann, wenn alle Beteiligten ein definiertes Ziel vor  Augen haben und an einem Strang ziehen. Im Anschluss werden wir zu einem kleinen Sektempfang mit Büfett eingeladen. Nach dieser kleinen Stärkung müssen wir uns dann rasch von den lettischen Freunden verabschieden, da die Fähre nicht auf uns wartet. Da Matthias und Anna uns nicht zum Hafen begleiten, müssen wir uns auch von ihnen hier mit herzlichen Umarmungen trennen. Dann erfolgt ein eiliger Aufbruch in Richtung Klaipeda. Ohne viel Verkehr erreichen wir unser Schiff und werden verladen. Einige müssen wegen eines Truppentransportes etwas länger warten, andere sind mit den zugeordneten Zimmermitbewohnern verständlicherweise nicht einverstanden. Aber alles wird gut. Zum Zeitpunkt des Ablegens hat Deutschland die USA bereits mit 1 : 0 geschlagen. Auch gut. Da es schon sehr spät ist, wird der Abend individuell verbracht.

 

Freitag            27.06.14    TT: auf der Fähre

Bei strahlendem Himmel und herrlich warmen Wetter trifft man sich am Morgen auf dem Achterdeck, genießt das Wetter, das uns bei dieser Fahrt leider nicht so hold war wie vor zwei Jahren. Es wird geplaudert, resümiert, neue Pläne geschmiedet. Am Nachmittag ruft uns ein letztes Thing zusammen. Norbert fasst noch einmal das Wesentliche zusammen, bedankt sich bei allen Mitstreitern, die zum Gelingen des Gesamtkunstwerkes „Baltikum II“ beigetragen haben. Mit wohlgesetzten Worten über- noch untertreibt er die Leistungen und Hilfen der Einzelnen, die z.T. sehr im Hintergrund und Verborgenen geblieben sind. Eine lange, anstrengende, schöne, ereignisreiche Gruppenreise ist zu Ende. Das Programm war vielseitig und ausgewogen. Man hätte es so oder anders machen können – man hätte es jetzt oder auch nie erleben können. Viele fahren ins Baltikum. Doch – wir hatten unseren Norbert, der uns sein authentisches Programm zelebriert hat, das nur die Rotarischen Vagabunden erleben durften. Dafür ein großes und herzliches Dankeschön, für die Vorbereitung, die Durchführung und die zahlreichen Hebammentätigkeiten, die oft im Verborgenen geblieben sind.

Eine Gruppe hat Ihr Zuhause wieder, Ihre Individualität - den sicheren  Stromanschluss

- endlos fließendfrisches Wasser , solange die Rechnung bezahlt wurde – Abwasserentleerung, die einfach in der Tiefe verschwindet – sekundenmögliche Einkaufsmöglichkeiten an jedem Ort, frei gewählt.

Wir vermissen die Gruppendynamik - die Sicherheit, dass ich nicht verloren gehe – das Beieinandersein – die gemeinsamen Gespräche…

 

Ankunft in Kiel: Pünktlich bei gemischtem Wetter.

 

 

 

Es verabschiedet sich Michael mit einem Zitat:

 

„Wir sollten nie aufhören, zu neuen Zielen aufzubrechen.

Doch am Ende unserer Erkundung sind wir plötzlich wieder da und wir meinen, zum ersten Mal hier zu sein.“                            (T.S. Eliot)

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